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Über meine wöchentlichen Gänge zur Tafel…


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Mathematik

Heute Nachmittag war ich mit einer ehemaligen Arbeitskollegin spazieren, und wir kamen u. a. auch auf meinen Tafelblog hier zu sprechen. Erbaulich fand ich ihren Kommentar, dass die Tafeln, und somit auch wir TafelnutzerInnen, Lebensmittel retten würden. Ja, das stimmt. Wir verwerten die Waren, die der Handel auf den Müll werfen würde, weil die Artikel entweder gerade abgelaufen sind oder die Verpackung einen Makel aufweist oder das Obst/Gemüse die eine oder andere Druckstelle hat…usw.

In meinem Artikel ‚Die Anmeldung‘ sind Fotos von den Lebensmitteln, die ich Woche für Woche erhalten habe zu sehen: knappe 2 Einkauftüten voller Waren. Das ist eine überschaubare Menge, aber ich bin nur eine von 280 Personen, die allein von meiner Ausgabestelle versorgt werden. Stellt Euch die mal Gesamtmenge vor!

In Lübeck gibt es 7 Ausgabestellen und im Dezember 2013 wurden insgesamt 1750 bedürftige Personen gezählt. (Quelle: Lübecker Tafel.de) Wir retten also Unmengen an Lebensmitteln. Jaja…..

Doch nun zu ein paar unterhaltsamen Zahlen:

Vor kurzem habe ich mich im Netz schlau gemacht, wieviele Lebensmittel überhaupt so weggeworfen werden. Da werden Zahlen genannt, die recht hoch sind und schockieren…aber irgendwie sind die recht abstrakt, und wer liest schon gerne Statistiken oder sieht sich Diagramme an?

Wie ich bereits früher erwähnte, liebe ich es zu rechnen und mit Zahlen zu spielen. Ich wollte es nun genauer wissen und stieß bei meiner Internetrecherche dabei auf eine Studie, die vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Zusammenarbeit mit der Universität Stuttgart im Jahr 2012 erstellt wurde. Diese erscheint mir daher einigermaßen seriös und nun wird ein wenig gerechnet!

Achso…Titel der Studie:

Ermittlung der Mengen weggeworfener Lebensmittel und Hauptursachen für die Entstehung von Lebensmittelabfällen in Deutschland

Ich fasse hier kurz zusammen:

Im Durchschnitt wirft jeder Bundesbürger 81, 6 kg Lebensmittel weg – PRO JAHR!

Davon landen 76% im kommunalen Abfallsystem.

Pro Verbraucher und Tag wurden 225 g Lebensmittelabfall errechnet, was in etwa dem Volumen eines durchschnittlichen Frühstücks entspricht.

47% der Lebensmittelabfälle wären vermeidbar und 18% teilweise vermeidbar gewesen.

Das sind laut der Studie 53 kg vermeidbarer Lebensmittelabfall pro Person und Jahr. 

Diese Waren haben einen Wert von 235 €. Bei einem Vier-Personen-Haushalt summiert sich der Betrag pro Jahr auf 940 € und auf Deutschland umgerechnet seien es bis zu 21,6 Milliarden €, die diese vermeidbare Verschwendung koste.

 

So weit die Studie, und jetzt komme ich und jongliere ein wenig mit diesen Zahlen.

 

Wenn jedeR BundesbürgerIn pro Jahr 53 kg vermeidbaren Lebensmittelabfalls wegwirft…dann ergeben sich bei 81.800.000 BundesbürgerInnen mal eben 4.335.400.000 kg – 4,335 Milliarden kg. Holla, die Waldfee!!!! :-/

Würde diese Menge auf die TafelnutzerInnen aufgeteilt, so erhielte JedeR von uns im Jahr 2890,27 kg, im Monat wären das 240,86 kg und pro Tag ’schlappe‘ 8,03 kg LEBENSMITTEL

Und nun zum Geld: 21,6 Milliarden € landen auf dem Müll????

Bitte, teilt das auch mal auf die 1,5 Millionen TafelnutzerInnen auf…ich hoffe Ihr sitzt gerade!!! 🙂

JedeR einzelne von uns bekäme 14400,-€ pro Jahr bzw 1200,-€ im MonatOder umgerechnet auf die 4,4 Millionen ALG II Empfänger wären das immer noch für jedeN 408, 84€ im Monat!

Das lass ich jetzt mal so stehen und bin gespannt auf die Kommentare. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Heute kurz und knapp

Mein gestriger Gang verlief ohne besondere Vorkommnisse…was mich angenehm überraschte und erleichterte. Alle Ehrenamtlichen waren gut drauf und reläxt und selbst meine ’spezielle Freundin‘ plauderte in freundlichstem Ton mit mir. Das kann gerne immer so sein, denn es behagt mir nicht mit Bedenken oder sogar Angstgefühlen zur Tafel zu gehen.

Es gab diesmal sehr wenig Obst & Gemüse, dafür umso mehr & Brötchen, welche ich mir für ’schlechte Zeiten‘ (Ha-haha!) eingefroren habe. 🙂 Nein, keine Sorge – so übel bin ich gar nicht dran. Das ist mir SEHR wohl bewußt! Und wenn die Begriffe ‚Armut‘ und ‚Almosen‘ irgendwo fallen, fühle ich mich nie angesprochen. Arm? Nee, fühl ich mich nicht. Ich hab einfach lediglich wenig Geldmittel zur Verfügung. Almosen? Nee, das sind Lebensmittel, die wir sinnvoll verwenden und vor ihrem Ende auf der Müllhalde retten.

Ich stand übrigens auch schon immer auf Second Hand Klamotten und kaufe die sehr gerne. Das belastet die Umwelt nicht so und weniger schadstoffbelastet sind die Sachen auch noch. Es gibt Kleidertauschbörsen und Sozialläden ,und wenn ich mal etwas ganz ‚besonderes‘ haben möchte, dann häkel ich es mir: Mützen, Schals, Tücher, Lampenschirme, Sattelschoner, Kissenhüllen usw.

Oder kennt Ihr das Waschen mit Kastanien? 4-5 Stück in ein Handtuch wickeln, mit einem Hammer drauf hauen, die Krümel dann in ein Glas mit Deckel füllen, Wasser drauf, Deckel drauf, schütteln und ein paar Stunden ziehen lassen. Später die Flüssigkeit durch ein Sieb ins Waschmittelfach gießen – fertig! Ist umweltfreundlich und billig! Und Eure Kinder helfen Euch sicher im Herbst gerne beim Sammeln! 🙂

So, und diese Lebensmittel habe ich gestern bekommen:

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Die große rosa Blubberblase – Teil 1

Vor ein paar Tagen fragte mich auf Facebook jemand, ob man sich die Sachen bei der Tafel selbst aussuchen kann oder ob die Waren zugeteilt würden. Ja, wie stellen sich Nicht-TafelnutzerInnen den Ablauf der Lebensmittelausgabe eigentlich vor? Bevor ich zu einer Nutzerin wurde, hatte ich die Vorstellung, dass ich mich in einer Schlange anstelle, mit all den anderen von Stand zu Stand gehe und dort von netten, ehrenamtlich tätigen Menschen irgendwelche Nahrungsmittel in die Hand bekomme, vielleicht mit einem lustigen Kommentar überreicht oder entgegengenommen, wir ‚BesucherInnen‘ ein wenig miteinander ins Plaudern kommen und Nöte oder Informationen verbal austauschen oder einfach nur mal so Smalltalk halten, und ich anschließend mit 2 Tüten voller Lebensmittel glücklich und zufrieden nach Hause tapse. Soweit die Theorie…jedenfalls die meine.

Ich hole nun meine lange Nadel heraus und piekse mal in die große, rosa Blubberblase hinein…

Um sich genauer in meine Lage als Tafelnutzerin versetzen zu können, bitte ich den/die verehrte LeserIn, sich eine Situation vorzustellen, in der Ihr Euch sehr minderwertig fühlt. Von der Ihr wißt, dass sie Euch keinerlei gesellschaftliche Anerkennung einbringen wird, und die bloße Erwähnung, dass Ihr von einer solchen Institution abhängig seid, von einem großen Teil der Gesellschaft auch noch weiter abgewertet werdet. Wo Ihr Euch fragt, was habe ich in meinem Leben bloß falsch gemacht?

Nun kommt Ihr also mit diesem Gefühl bei (m)einer Ausgabestelle an, wo Ihr auf etwa 50 Menschen stoßt, die größtenteils genauso fühlen wie Ihr und werft einen Blick auf die Anzeigetafel, um zu sehen, welche Nummer gerade aufgerufen ist. Ihr schaut Euch um und seht überwiegend ernste Mienen um Euch herum, manche stehen in kleinen Grüppchen und lachen, rauchen, plaudern. Die meisten haben Taschen oder einen Einkaufsrolly in der Hand. Ihr schnappt Gesprächsfetzen in anderen Sprachen auf, seht Passanten vorbei gehen, die sich wohl gerade fragen, warum so viele Menschen hier in der Straße stehen und Euch wird von der gegenüberliegenden Seite im barschen Ton zugerufen, dass Ihr, bitte schön, mal beiseite geht, damit die Autos in die Einfahrt können.

Eure Nummer erscheint und Ihr betretet gespannt und das erste mal die Ausgabestelle, zeigt Eure Nummer, werdet in einer Liste abgehakt und zahlt einen Euro Spende. Anschließend stellt Ihr Euch am ersten Tisch an, auf dem 4-6 Kisten mit Gemüse aufgebaut sind und überlegt, was Ihr davon gerne hättet. Wer zuvor noch nie da war, weiß natürlich nicht, wieviel und was man sich aussuchen darf, also fragt Ihr die ehrenamtlich arbeitende Person dahinter danach und mit Blick auf die Nummernkarte, die Ihr um den Hals tragt, erklärt diese Euch: 1 Person – dann können Sie sich 1 Teil aussuchen.

Vor Euch liegen diverse Gemüsesorten der Saison und Ihr entscheidet Euch z. B. für einen Kürbis, der dann ausgehändigt wird, und den Ihr in Eure Tasche legt. Dann dürft Ihr Euch noch etwas aus einer der dahinter liegenden Gemüsekiste aussuchen: Tomaten, Gurken oder Paprika? Och, nein, dann doch lieber noch von dem Porree von da vorne. Nein, das geht nicht! Ein Teil von hinten und ein Teil von vorne. Achso…ja dann nehme ich eine Paprika. Hm, sagte sie vorhin nicht nur 1 Teil?

Etwas verwirrt steht Ihr in der Schlange, die anschließend zum Obst Modul führt, Da stehen wieder mehrere Kisten hintereinander und Ihr überlegt Euch schon mal, welches Früchtchen in Eure Tasche wandern soll. Oder sind es wieder 2? Als Ihr dran kommt, sagt Ihr, weil Ihr ja mitdenkt: Von den Apfelsinen bitte für 1 Person und der Herr hinter dem Stand reicht 3 Apfelsinen herüber und fragt noch, ob es auch noch ein paar Bananen sein dürfen oder vielleicht lieber einen Apfel? Ihr nehmt noch den Apfel und steht in der Schlange und schaut Euch um. Hinter Euch kichern ein paar Hausfrauen und vor Euch wechselt ein Mann das Standbein…und warten bis zum nächsten Stand. Es erscheint ein Tisch mit Kräutertöpfen und diversen Salatsorten, die ein wenig zerrupft, aber noch ganz okay aussehen und nehmt dann einen Topf mit Basilikum, der Euch gereicht wird. Und weiter warten.

Am nächsten Stand gibt es Brot. Die Dame dahinter macht einen fröhlichen Eindruck und Ihr fragt nach einem Vollkornbrot, welches sie Euch mit einem Lächeln in die Hand drückt und ferner fragt: Wir haben heute auch noch so viele Baguettes. Möchten Sie vielleicht eines mitnehmen? Nein, aber vielen Dank für das Angebot.

Gleich dahinter steht eine Frau mit mehreren Kisten voller Brötchen, heute sortiert nach: Croissants & Rosinenbrötchen, Weißbrötchen, Brötchen mit Körnern und ganz hinten eingetütet ‚belegte Brötchen‘. Die Frau schaut auf Euer Schild, um die Personenzahl zu sehen und Ihr sucht Euch Croissants aus. Sie gibt Euch 3 Stück mit und warten.

Oh, da ist nun ein breiter Durchgang, der zum Küchenbereich führt. Besser einen Moment am Brötchenstand stehen bleiben, damit der Gang für die MitarbeiterInnen frei bleibt. Ihr hattet zuvor ja draußen mitbekommen, was passiert, wenn Ihr eine Durchfahrt versperrt. Und am nächsten Tisch steht noch jemand, der sich gerade etwas aussucht. Als dieser weiter geht, tappert Ihr also rüber und steht vor der ‚Fischabteilung‘. Alles sauber eingepackt, verschweißt oder in Gläsern und Dosen. Fisch und mit knappem MHD…nein, danke, lieber nicht. Aber es gibt auch noch Kartoffelsalat, auf den die Ehrenamtlerin hinweist, und Ihr wollt gerade wie im Supermarkt rübergreifen, um die Zutatenliste auf der Schale zu lesen doch Ihr kommt gar nicht so weit, weil die Dame Euch zuzischt: Bitte nichts anfassen! Okay, dann eben ein Schuß ins Blaue und den Kartoffelsalat ungelesen nehmen und hoffen, dass sich kein Schinken oder Fleischwurst darin befindet. Und warten…und umschauen…und warten.

Drei Kisten mit Joghurt, Pudding und Milch erscheinen dann und Ihr entscheidet Euch für Joghurt. Die Dame dahinter greift in die eine Kiste und sucht mit flinken Händen 3 verschiedene Sachen aus und reicht sie Euch. Sachlich fragt Ihr sie, ob Ihr noch 1 Packung Milch bekommen könnt, und erneut werdet Ihr im Zischton darauf hingewiesen, dass es Milch heute nur für Kinder gibt. Und warten…und schauen.

Oh, der Stand mit Wurst und Fleischkonserven. Hm, ja, nee, Ihr ernährt Euch vegetarisch, also wartet Ihr weiter und lehnt dankend bei der Ehrenamtlerin ab. Die guckt irritiert und reicht Euch eine Packung mit Fleischwurst rüber. Erneut lehnt Ihr dankend ab und erklärt ergänzend, dass Ihr kein Fleisch eßt, da Ihr Euch vegetarisch ernährt. Achso…die Dame wackelt mit dem Kopf und greift zu einer Gemüsesuppe mit Fleischbeilage. Hier, nehmen sie die, da ist Gemüse drin. Äh, nein danke. Aller guten Dinge sind 3 denkt Ihr Euch und da kommen schon die Kisten mit Müsli, Mehl, Fertigsoßen und dergleichen.

Ihr sucht Euch das Schoko-Müsli einer bekannten Firma aus und bekommt auch noch eine Packung Brotteigmischung angeboten, die Ihr frohen Mutes in Eure Tasche packt. Sogar noch ein paar Süßigkeiten sind mit drin und die Dame reicht Euch freudestrahlend eine Hand voll Schokoriegel. Hm, wie meine Omi früher… Hier, steck‘ ein mein Kind… Erinnerungen werden wach. Verträumt blickt Ihr kurz in die Zeit zurück als Euch eine barsche Stimme auffordert, Euch endlich etwas auszusuchen, denn es warten ja noch andere in der Schlange. Äh, ja…eiwei, 3 Kisten mit durcheinander geordneten Käse-, Butter- und sonstigen Kühlartikeln. Während Ihr blitzschnell alles mit den Augen zu erfassen sucht, tönt die Stimme der Frau hinter dem Tisch erneut in strengem Ton: Ja was soll es denn nun sein? Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit. Zum Glück erblickt Ihr in letzter Sekunde einen Lieblingskäse und zeigt mit dem Finger darauf. Erneutes Zischen: nicht anfassen! Sie greift nach der Käsesorte daneben. Nein, nicht den, der daneben, bitte. Zischen: ja welchen denn nun? Ihr erwidert: den Ziegenkäse da und zeigt mit dem Kopf in die Richtung. Sie gibt ihn Euch, Ihr quetscht ein ‚Danke‘ heraus und starrt sie an. Ihr Blick sieht ernst aus. Ihr dreht Euch um, geht weiter und merkt, dass Ihr die Luft angehalten habt. Ausatmen…weiter gehen und jetzt ganz schnell in die Kisten schauen und etwas aussuchen.

Eine entspannte, junge Frau lächelt Euch an und sagt: Was darf’s denn sein? Ihr seht Kuchen und Kekse und zeigt ganz vorsichtig auf einen in eine Tüte eingepackten Streuselkuchen, den sie Euch dann reicht und den Ihr ganz nach oben in die Tasche packt, damit er nicht zerdrückt wird. Ihr sagt danke.

Das war der letzte Stand, und Ihr geht hinaus. Bepackt mit 2 Einkaufstaschen voller Lebensmittel, die sonst auf dem Müll gelandet wären. Draußen stehen immer noch Menschen, die darauf warten, aufgerufen zu werden. Ihr dreht Euch um und geht nach Hause. Nach außen hin mit vollen Tüten und von innen her leer.

Mal eine Frage an Euch: wenn die Tafeln eine so tolle Einrichtung sind, die seit über 20 Jahren in unserer Gesellschaft existiert, warum verschweigen die NutzerInnen dann ihre Besuche dort?

Und warum rate ich trotzdem dazu, die Tafeln zu nutzen? Darüber schreibe ich im nächsten Blog. 

PS: Wenn Ihr auf das blau markierte Wort ‚Ausgabestelle‘ klickt, erscheint ein Kurzbericht vom NDR, der kürzlich in ‚meiner‘ ‚Tafelfiliale‘ gedreht wurde. Dann könnt Ihr anschauen, wo ich mittwochs anstehe.


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Wer nicht kommt zur rechten Zeit…

Auweia, meine ‚Tafel-Warte-Statistik‘ weist einen riesengroßen Messfehler auf, sodass ich heute sowas von zu spät ankam, dass ich den Ehrenamtlichen beim Fegen und Einpacken zusehen konnte! Verdammte Axt! Netterweise hat mich die ‚Dame am Empfang‘ noch rein gelassen. Ich musste nicht einmal mehr meinen 1.-€ Spende bezahlen, durfte mir aber noch schnell ein paar von den Sachen, die noch nicht weg geräumt waren, aussuchen. Sehr nett von der Dame – vielen Dank! 🙂

Dabei war ich heute sehr zeitig da, und die Nummer auf der Anzeigetafel lag bei meiner Ankunft noch weit über 100 Zähler von meiner entfernt, sodass ich davon ausging, mich noch kurz in der Stadt tummeln zu können. Eine halbe Stunde später waren die bei meiner Rückkehr aber schon durch, und zwar komplett! Upsi! 😦

Mit entsprechend wenig bin ich dann nach Hause und gestand mir ein, dass ich das 1A vermasselt habe! Dabei wollte ich mich heute besonders umschauen und zugucken, damit ich etwas Schickes zu bloggen habe…was ja trotzdem der Fall ist – allerdings über ein Thema, an das ich so gar nicht gedacht hatte. 🙂  Hier das Foto von meinem Tafelgang vorhin:

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Schön viel Naschikram (Haha, Marzipan! Kann in Lübeck schon mal vorkommen! 🙂 )  aber leider kein Brot und kein Gemüse. Das habe ich jedoch selbst zu verantworten, und es ist jetzt auch nicht so wild, da ich immer Mehl und Trockenhefe im Hause habe und mir selbst Brot & Brötchen backen kann. Das ist billiger als in jedem Supermarkt und schmeckt gut. Natürlich ist es zeitaufwendig und qualitativ nicht so hochwertig wie ein Vollkornbrot vom echten Bäcker, doch wer sparen möchte, muss Abstriche machen.

Apropos echter Bäcker: damit meine ich die Handwerksbetriebe, die noch auf traditionelle Art ihr Brot in einer Backstube backen und NICHT diese in der Fabrik gefertigten Teiglinge, die im Markt zu (wie ich sie nenne) ‚Brotersatzstoffen‘ aufgebacken werden. Ja, ich oute mich hier mal als Liebhaberin echten Brotes und grüße herzlichst Bakingsandra, deren Blogs ich sehr unterhaltsam, informativ und lesenswert finde. Wer gerne Brot backt, kann dort wertvolle Tipps und Anregungen finden sowie ein wenig hinter die Kulissen des Bäckerhandwerks schauen.

Wie ich bereits schrieb: jeder Tafelgang ist wie eine Wundertüte – man weiß nie, was drin ist! Jo, un‘ hüt Ohmd gifft dat rode Grütt met Melk to eten, nech. Wat legger! Hätte ich mir sonst nicht geleistet. 🙂 


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Die Anmeldung

Sich bei einer Tafel anzumelden, ist recht einfach. Ich habe mich letztes Jahr im Internet auf der Webseite der Lübecker Tafel informiert, wer bedürftig ist und was ich an Belegen mitbringen soll.

Im Groben und Ganzen sind in den verschiedenen Städten die Bedingungen, um von der Tafel unterstützt zu werden, recht ähnlich. Für Lübeck gilt, dass z.B. Einzelpersonen nach Abzug von Miete und Heizung nicht über mehr als 400.-€ und Verheiratete nicht über mehr als 700.-€ verfügen dürfen. Für jedes weitere Familienmitglied kommen da noch mal 250,-€ dazu.

Dies betrifft überwiegend Menschen, die ALG II (Hartz IV) oder die Grundsicherung im Alter oder eine Erwerbsminderungsrente beziehen. Aber auch StudentInnen haben Anspruch, wenn sie belegen können, dass sie unter der o. a. Einkommensgrenze liegen. Ferner werden noch BezieherInnen von von Hilfe zum Lebensunterhalt und von Wohngeld aufgeführt. Also, schnappt Euch Eure Belege, Bescheide und Bewilligungsschreiben, evtl. auch noch den Personalausweis.

Ich bin im September letzten Jahres mit meinem ALG II Bescheid zum Anmeldetermin meiner Ausgabestelle marschiert (in größeren Städten gibt es davon mehrere – macht Euch also schlau) und erhielt dort meinen grünen Tafelausweis mit Nummer am Band und dem Vermerk drauf, wieviele Personen ‚tafelberechtigt‘ sind. In meinem Fall: 1 🙂  

Dieser Ausweis muß jedes Mal mitgebracht und vorgezeigt werden und sieht in Lübeck so aus:

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Es gibt auch rote Tafelausweise, die für Menschen mit Gehbehinderung vorgesehen sind. Für diese gelten andere Aufrufzeiten, damit sie nicht so lange warten müssen, was ich ganz sinnig finde.

So, nun hatte ich also meine Nummer und jetzt wird es noch mal hinsichtlich der Ausgabezeit interessant. An der Ausgabestelle befand sich an einer Pinnwand noch ein Zettel mit Daten und Nummern drauf. Glücklicherweise erklärte mir bei der Anmeldung ein anderer Tafelkunde, was es damit auf sich hat, nämlich so eine Art Rotationssystem.

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Jede Woche beginnt mit einer neuen Aufrufnummer. Startet beispielsweise die Woche 1 mit der 01, dann folgt in Woche 2 die 50, in Woche 3 die 100 usw….immer in 50er-Schritten bis 499.

In der praktischen Umsetzung heißt dies, dass jedeR mal ganz früh dran kommt.

Beispiel: jemand hat die Nummer 60, so kommt er/sie in Woche 1 und 2 relativ früh nach Öffnungsbeginn dran, in Woche 3 eher spät, da die Startnummer 100 beträgt und diese erst einmal bis 499 durchläuft und dann wieder bei 01 anfängt.

Als leidenschaftliche Freundin der Mathematik hat es mir natürlich großen Spaß gemacht in den ersten Wochen ‚my own private Tafel-Warte-Statistik‘ zu erarbeiten und anschließend auszurechnen. Erfahrungsgemäß werden 137,5 KundInnen pro Stunde bedient. Wenn also eine Woche mit 0 dran ist, kann ich um und bei 201, 16 Minuten warten, bis meine Nummer auf der Anzeige erscheint…3 Stunden und knappe 13 Minuten. 😀 Tja, welche Nummer habe ich wohl?

Leider hab ich mich auch schon vertan und kam zu spät, meine Nummer war bereits vorbei. (Einige BesucherInnen gehen eben NICHT jedes Mal hin!) Freundlicherweise hat mich die Dame am Empfang mit einem Augenzwinkern noch durchgelassen. Ich habe aber auch schon gehört, dass Leute, die zu spät waren, gebeten wurden, ganz am Schluss wieder zu kommen…und dann ist halt nicht mehr so viel da. Auf Pünktlichkeit wird in Lübeck also geachtet…bestimmt auch in anderen Orten. 

Wenn man eine ‚frühe‘ Woche hat, ist die Auswahl der Lebensmittel noch am größten…zum Ende hin sieht’s ein bissi mau aus. Aber, hey, meine Freundin K erzählte mir, dass sie in ihrer (anderen) Ausgabestelle oft durchgeht und dann noch wartet bis zum Schluss, weil sie dann alles, was noch da ist, mitnehmen könnte, weil ein Großteil ‚Reste‘ in den Müll wandert. Ob das überall so ist, z. B. auch in meiner Ausgabestelle, weiß ich nicht. Ich habe es noch nicht probiert. Das werde ich beim nächsten mal erfragen und darüber hier berichten.

Keine Ahnung, wie das in anderen Städten ist…in Lübeck zahle ich bei jedem Tafelbesuch die Spende von 1.-€. Ja, Spende! Im Originaltext auf der Webseite heißt es so:

„Wir weisen ferner darauf hin, dass wir in allen Ausgabestellen an dem jeweiligen Ausgabetag um eine Spende in Höhe von 1,00 € je Haushalt bzw. Familie bitten (ab 1. April 2012). Mit diesem freiwilligen Beitrag decken wir einen Teil unserer Kosten ab.“

Hm, ich dachte immer, Spenden seien freiwillig. 😉  Naja, wahrscheinlich hat das wieder rechtliche Gründe, weshalb das ’so‘ genannt wird. Nein, nein, ich bin WIRKLICH NICHT undankbar – im Gegenteil! Die Tafelbesuche retten mich Monat für Monat, und ohne sie würde ich ziemlich alt aussehen und 1,-€ für so viele Lebensmittel ist ja fast wie geschenkt. ABER für mich ist das so eine klitzekleine Unstimmigkeit, die ich wie eine Lüge empfinde: es stimmt irgendwie einfach nicht. Spenden mache ich freiwillig…OHNE ZWANG! Dann sollen sie das Kind beim Namen nennen und beispielsweise ‚Eintritt‘ verlangen oder einen ‚Mitglieds- oder Unkostenbeitrag‘. Geht Euch das auch so? Wie empfindet Ihr das?

Und nun zeige ich hier noch mal die Fotos von meinen letzten Tafelgängen. Das sind also die Sachen, die ich als Einzelperson dieses Jahr von der Tafel erhalten habe. Ich habe im Netz hinsichtlich der Rechte nichts finden können, daher habe ich einfach die Markennamen unkenntlich gemacht und hoffe so, einer strafrechtlichen Maßnahme zu entgehen. 🙂

 22. Januar 2014

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29. Januar 2014

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05. Februar 2014

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12. Februar 2014

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19. Februar 2014

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26. Februar 2014

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05. März 2014

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Die Lebensmittel sind im Großen und Ganzen wirklich gut. Die Kühlartikel verbrauche ich meist schnell, da das MHD (Mindesthaltbarkeitsdatum) bald oder doch schon abgelaufen ist, die Kühlkette unterbrochen wurde, und ich meine ‚Schacke‘ in der Hinsicht nicht überstrapazieren möchte. Einmal hatte ich trockene Linsen, die vor 2 Jahren abgelaufen waren…von denen habe ich mich dann gleich verabschiedet, weil ich nicht dagegen ankomme. Die Müslis sind bisher noch SEHR lange haltbar gewesen, und ich frage mich, warum die so oft aus anderen Ländern kommen: Dänemark, Niederlande, Polen, Israel (!!!). Hm, ob die uns als potentielle Testkäufer sehen???

Und natürlich gibt es auch Wurst, Aufschnitt und Dosenfleisch/-suppen! Doch ich bin Vegetarierin und daher erscheinen diese NICHT auf meinen Bildern. Ebenso Fisch!

Morgen stehe ich dann wieder an und darüber werde ich die Tage dann berichten.


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Der erste Gang

Ja, ich gehe zur Tafel…und zwar jeden Mittwoch. Aber warum darüber bloggen?

Weil ich aktuell das Gefühl habe, die einzige zu sein, der das überhaupt in den Sinn kommt. Dabei gibt es laut Angaben auf der Tafel.de Seite über 1,5 Mio Menschen, die von den Tafeln unterstützt werden. Was, und da ist keineR dabei, der/die darüber schreibt? Fand ich interessant bis herausfordernd! (Ich habe NICHTS von ‚BesucherInnen‘ im Netz gefunden. Sollte jemand da was entdecken, freue ich mich über eine Nachricht darüber.)

Dafür wird sehr viel ÜBER uns geschrieben: es gibt statistische Erhebungen im Internet, Artikel in Zeitungen, den einen oder anderen TV-Bericht. Und meist geht es darin über die Arbeit der Tafeln, die Menschen und Firmen, die die Tafeln unterstützen, ehrenamtliche HelferInnen, Lebensmittel, die gespendet werden, Promis, die sich bei den Tafeln engagieren usw.

Ab und zu kommen auch TafelbesucherInnen zu Wort, die dann darüber sprechen, dass sie froh seien, dass es die Tafeln gäbe, weil sie sonst nicht über die Runden kämen – dass es jedoch ein wenig ‚unangenehm‘ sei, auf diese Art Hilfe angewiesen zu sein. Oft fällt dabei das Wort ‚Scham‘.

Das hört sich alles in allem erst mal nicht sehr ermutigend an, und ich für meinen Teil finde, dass Tafelbesuche dort (s. o.) ein wenig zu einseitig dargestellt werden und/oder wurden. Okay, ich hatte auch meine Gedanken zu dem Thema und war nicht wirklich scharf drauf, mich irgendwo für Lebensmittel anstellen zu müssen, die sonst auf dem Müll landen würden. Scham spielte da wohl auch eine Rolle, allerdings nur zu 50 %. Die anderen 50% bildeten meine Aversion gegen abgelaufene Haltbarkeitsdaten! Das ist so eine persönliche Sache, die auf Grund gruseliger Erfahrungen während meiner Kindheit herrühren. Ja, so hat jedeR ihre/seine Trigger, die ab und zu mal gedrückt werden, und die Unmut oder Angst auslösen können. Aber was weiß ich, was andere Menschen noch für Gründe haben, die sie von der Tafel fernhalten, obwohl sie Anspruch auf diese Art der Unterstützung haben. Das soll jedeR für sich entscheiden. Aber vielleicht motiviert dieser Blog auch, genau diese Menschen davon zu überzeugen, sich anzumelden…denn meine Erfahrung inzwischen ist größtenteils POSITIV. Das nur so nebenbei.

Als Hartz 4 Empfängerin sieht es bei mir nun mal ‚mickrig‘ auf dem Konto und im Portemonnaie aus. Ich drehe die Cents noch und nöcher um und gebe sie dann doch nicht aus! Ich versuche zu sparen, wo es nur geht. In dieser Disziplin, wenn ich sie mal so nennen darf,  habe ich mich mit der Zeit sogar zu einer kleinen Königin entwickelt. Okay, ich muss Abstriche machen und oft auf vieles verzichten, ABER ich bin z. B. schuldenfrei und habe KEIN minus auf meinem Konto. Darauf bin ich echt stolz.

Des Weiteren gibt es viele Möglichkeiten, umsonst oder für GAAANZ wenig Geld an Gebrauchsgegenstände oder Bekleidung zu kommen: Kleidertauschbörsen, Sozialkaufhäuser, Flohmarkt etc.

Doch wenn es um Nahrungsmittel geht, wird’s eng. Im Herbst zur Erntezeit hab ich ab und zu Glück und finde zB Gartenüberschüsse, die die Kleingärtner über ihre Gartenzäune hängen, und die man umsonst mitnehmen kann oder sehr liebe FreundInnen denken liebenswürdigerweise an mich und schenken mir leckere Sachen oder lassen mich in ihrem Garten Obst pflücken, welches ich dann einmache (ja, ich habe die Vorratshaltung und das Einwecken für mich entdeckt!)  aber das passiert nur ab und zu. Wie halte ich mich den Rest der Zeit über Wasser? Und nachdem es irgendwann finanziell nicht mehr zu wuppen war, habe ich mich bei der Lübecker Tafel angemeldet.

Übrigens bin ich glück-li-cher-wei-se von Mutter Natur mit sehr viel Fantasie gesegnet worden, und diese führt u. a. dazu, dass ich mich jede Woche auf meine ‚Wundertüte‘ freue. Ihr kennt vielleicht noch diese Tüten, für die wir früher 1,- DM bezahlt haben und da waren spannende oder auch nicht so tolle Sachen drin, mit denen man spielen oder sie vernaschen konnte? So geht es mir vor jedem Tafelbesuch: was wird’s wohl diesmal geben?

Ich habe mir also überlegt, wöchentlich über jeden meiner Tafelbesuche zu bloggen, denn ich habe ebenfalls die Erfahrung gemacht, dass es so viel darüber zu berichten und erzählen gäbe: Lustiges, Spannendes, Abenteuerliches, Erfreuliches und Unterhaltsames genauso wie Ernüchterndes, Unerfreuliches, Langweiliges, Enttäuschendes oder (schlicht und ergreifend) Nervkram. Das kann an mir liegen, das kann an den Lebensmitteln liegen, das kann an den anderen BesucherInnen liegen oder an den HelferInnen, die dort die Waren ausgeben.

Ferner würde ich auch gerne jedes mal ein Foto von den Lebensmitteln veröffentlichen, die ich für die Woche erhalten habe, aber ich muß mich da vorher noch schlau machen, ob ich das überhaupt darf…aus rechtlicher Sicht. Und nächstes mal schreibe ich neben meinem aktuellen Erlebnisbericht, wie das mit der Anmeldung im letzten Jahr bei mir gelaufen ist.

Falls Ihr Fragen, Kritik oder Anregungen für mich habt oder mir eigene Erfahrungen erzählen möchtet: nur zu! Ich bin gespannt wie Flitzebogen.