tafelfertig

Über meine wöchentlichen Gänge zur Tafel…

Worum geht es?

Ich bin Jahrgang 1964 und habe, nachdem ich auf Grund schlechter Leistungen erst vom Gymnasium flog und auf der Realschule meinen Abschluss nicht schaffte, auf zweitem Bildungsweg meine Mittlere Reife nachgeholt (als Jahrgangsbeste) und anschließend eine Ausbildung zur Physikalisch-technischen Assistentin gemacht.

Dazwischen ging ich den verschiedensten Jobs nach: Altenpflege-, Produktions- und Montagehelferin, D-Jane, Rezeptionistin im Hotel, Verkäuferin, Kellnerin, Kassiererin. Meine Miete wollte schließlich gezahlt sein.

Im Jahr 2000 fand ich einen Arbeitsplatz (als PhyTA) bei einer Firma, wo mir das schlechte Arbeitsklima derart zusetzte, dass ich 2009 einen Aufhebungsvertrag unterschrieb, um meine angeschlagene Seele in Sicherheit zu bringen. Nach einem Klinikaufenthalt und diversen Reha-Maßnahmen und Berufspraktika schlug ich mich dann noch mit Jobs im Hotel und im Verkauf durch. Seit Juni 2013 bin ich arbeitslos und ‚auf Hartz 4‘ und seit September 2013 gehe ich zur Tafel, weil das Geld einfach von hinten bis vorne nicht mehr reichte.

In diesem Blog erzähle und berichte ich von meinen Erfahrungen mit der Tafel in Lübeck, von meiner Realität als Tafelnutzerin und Hartz 4 Empfängerin…und hoffe damit ein wenig diverse Augen & Herzen zu öffnen, zum Nachdenken anzuregen sowie ein Podium oder eine Anlaufstelle für andere Betroffene zu schaffen, denn wir haben keine Lobby da draußen. Die Tafeleinrichtungen, die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen, die SpenderInnen und SponsorInnen schon. Sie haben ein gutes Image in der Gesellschaft und sicherlich auch ihren Sinn. OHNE ZWEIFEL!

Doch sie alle die Tafeleinrichtungen lindern die Armut nur – ÄNDERN tun sich nichts an ihr.

Herzlich Willkommen bei tafelfertig…

8 Kommentare zu “Worum geht es?

  1. Ich finde es großartig, dass Du über alles, was Du mit der Tafel erlebst, berichtest, weil ich glaube, dass doch eine Menge Mut dazu gehört, zuzugeben, dass Du darauf angewiesen bist! Ich ziehe ehrlich den Hut vor Dir ♥
    Bisher kenne ich nur die „andere“ Seite und bin doch mehr als erbost, dass es Ehrenamtliche gibt, die ziemlich „griffig“ rüberkommen. Mit diesen Damen möchte ich mich zu gerne einmal im stillen Kämmerlein unterhalten.
    Sei von Herzen gegrüßt von ♥ Pauline ♥

    • Oh, danke für diesen netten und Mut machenden Kommentar. 🙂

      Ja, ich war auch ein wenig überrascht, was sich bei der Tafelausgabe so abspielen kann. Nichtsdestotrotz gibt es in meiner Ausgabestelle auch total nette ehrenamtlich tätige Menschen, und über die werde ich auch noch einen Artikel schreiben.

      Ich habe kein Problem damit, wenn jemand mal ’nen schlechten Tag hat und rummuffelt…das ist ganz normal und passiert eben. Und ich habe keine Ahnung, was sich die Damen und Herren dort vielleicht auch von ‚griffig‘ rüberkommenden TafelnutzerInnen anhören müssen. Das ist bestimmt auch nicht immer lustig oder freundlich.
      Ich habe zuletzt in einem Hotel und in einem Teegeschäft gearbeitet, wo ich persönlich viel Wert auf höfliche Umgangsformen und Kommunikation gelegt habe. Für mich war es förmlich so eine Art Sport unzufriedene KundInnen bzw. Gäste wieder ernsthaft zufrieden zu machen, denn die sollen ja wieder kommen. Das ist mir auch meist gelungen.

      Als TafelnutzerIn ist man ja aber in gewisser Weise abhängig von dieser Einrichtung und kann sich nicht so kurz mal eben in einen anderen Laden begeben. Da finde ich es ungerecht, wenn so mit uns gesprochen wird. Ich wünsche mir mehr Kommunikation mit einander, und diese findet auf meinem Blog hier inzwischen statt, was ich SUPER finde. Wenn wir TafenutzerInnen unsere Stimmen nicht erheben, hört uns ja auch keineR!

      Ich sende herzlichste Marzipangrüße zurück! 🙂

      Karen

      • Liebe Karen ♥
        wobei ja auch nicht alle Damen an der Ausgabe Ehrenamtliche sind, manchmal auch die sog. Ein-Euro-Jobber.
        Nichtsdestotrotz haben die gefälligst ihre schlechte Laune oder Muffeligkeit an der Garderobe abzugeben und freundlich zu ihren Kunden/Gästen zu sein.
        Jeder von uns kann von heute auf morgen in Not geraten, das vergessen leider sehr viele.
        Deshalb ist Freundlichkeit und ein wenig Wärme so wichtig und es kostet doch nichts. Im Gegenteil, man bekommt doch immer ein Lächeln zurück 😀
        Ich wünsche Dir, dass Du heute ganz viel Marzipan erwischt und grüße Dich von Herzen ♥ Pauline ♥

      • Danke Pauline. 🙂 ❤

        Ja, es gibt auch 1,-€ Jobber und deren Motivation, bei z. B. einer Tafel mit zu arbeiten, kann eine andere als die der 'Ehrenamtlichen' sein.

        Und allerdings kann jedeR in eine Notlage geraten. Und ich freue mich dann sehr, über die empathischen und Mut machenden Kommentare, die ich hier erhalte. Das bedeutet mir viel und ich lege jeden einzelnen auf meine Waage…in die Schale, die gegenüber der schlechten Erfahrungen liegt, 🙂
        Vor einiger Zeit bin ich auf die Begriffe 'Defizit orientiert' und 'Ressourcen orientiert' gestoßen, über die ich viel nachgedacht habe und welche dann dazu führten, dass ich meine Einstellung zu mir sowie zu meiner Umwelt in eine angenehmere, optimistischere Richtung neu kalibrieren konnte.
        Also, meine Lebensqualität hat das enorm verbessert! 😀

        …und Marzipan gibt es erst Morgen, wenn….

        Ganz herzlichen Gruß zurück

        Karen

  2. Liebe Karen,

    ich möchte Dir von ganzem Herzen für Deinen Blog danken! In heutiger Zeit ist man so schnell als asozial, ungebildet und faul abgestempelt, blos weil man Hartz 4 bezieht – dabei gibt es unendlich viele Gründe, warum man in dieser Situation ist. – Aber im TV (ich sag immer liebevoll Hausrauen- oder Hartz IV-TV) wird so negativ von allem berichtet und dargestellt, dass man am Ende selbst das Gefühl hat Abschaum zu sein, blos weil man Bezieher ist.

    Ich bin heute auf Deinen Blog gestoßen und direkt geblieben – Naja, verlinkt hab ich Dich ja auch, wie Du schon weißt 😉

    DANKE! Und mach weiter so!


    Tina

    • Ja, das Bild von Hartz 4 EmpfängerInnen ist wahrlich ein sehr verzerrtes und unschönes in der Öffentlichkeit. Ich war schon am Überlegen, ob ich nicht mal einen ‚Imagefilm‘ organisieren sollte, der uns mal in realistischerem Licht darstellt. Dazu fehlt mir aktuell aber die Zeit sowie der Elan, so ein Projekt durchzuziehen…von den finanziellen Mitteln mal ganz zu schweigen! 🙂

      Darum blogge ich jetzt erst mal und mir fällt gerade ein, dass ich über das Thema ‚Image und Realität von Hartz 4 Empfängern‘ schreiben könnte. Gutes Thema! 🙂 Danke für die Inspiration, Tina!!!!

      Wenn wir diese Vorurteile immer nur wortlos hinnehmen, bewegen wir nichts.. Es ist schwer, sich in der Hinsicht bemerkbar zu machen, und dass Leute einer/einem auch mal zuhören. Ich bin ja schon überrascht, wieviel Zuspruch ich zu meinen Tafelberichten erhalte. Hm, und wenn ich mit denen Menschen erreiche, dann vielleicht auch mit dem Hartz 4-Image-Thema.

      Ich wünsche Dir einen wunderschönen Abend!

      Marzipangruß von Karen

  3. Liebe Karen
    irgendwie wird mir das zu viel Schwarzweiß. Genauso wie die HartzIV-Empfänger gibt es nicht nur „gute“ sondern auch „böse“ bei den Ehrenamtlichen und wie auch bei den HartzIV-Empfänger alle Schattierungen dazwischen. Als Ehrenamtliche ist man weder im Service geschult noch grundsätzlich freundlich. Man ist vor allem Mensch. Als solcher möchte man vielleicht auch gerne mal Anerkennung oder einfach nur ein „Danke“ für die Arbeit, die man macht. Das bekommt man aber gerade von den Leuten, für die man diese Arbeit gutmeinend tut. nur sehr,sehr selten. Ich weiß, wovon ich rede durch meine Arbeit in der Bahnhofsmission. Von den „Nutzern“ dieser Einrichtung wird man dort gerne beschimpft, wenn nicht alles so läuft,wie der „Nutzer“ das als selbstverständlich voraussetzt. Ich bin im Kundenservice geschult, doch auch mir fällt es manchmal schwer, immer freundlich und geduldig zu bleiben.
    Die ehrenamtliche Arbeit bei den Tafeln ist sicherlich nicht einfach. Stundenlang stehe und dann noch freundlich den Wenige zu verteilen, Kekese zu geben, wenn sich der Nutzer Orangen wünscht. Ein bisschen Freundlichkeit und ein Danke den Ehrenamtlichen gegenüber könnte auch diese zum Lächeln bringen.
    Ich glaube auch nicht, dass HartzIV-Empfänger ein Image-Problem haben. Es sind nur leider immer die Extremfälle, die in die Öffentlichkeit geraten. Ich weiß doch in der Regel gar nicht, ob jemand HartzIV-Empfänger ist oder nicht. Also behandle ich alle gleich. Ich habe in meinem Leben auch schon einige Male von Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld gelebt. Dann bekommt man Leistungen vom Staat,. Und ich finde es auch gerechtfertigt, wenn der Staat aufpasst, dass dies nicht missbraucht wird., und Kontrolle und ein wenig Druck ausübt.
    Zur Zeit lebe ich von weniger als HartzIV und bin mit Ende 50 abhängig von den Zuwendungen meines Vaters. Aber ich sehe mich immer noch privilegiert gegenüber anderen, weil ich was dagegen tun kann und tue. Mir geht es gut, habe einen Fernseher, einen Computer und viele Bücher. Ich hungere nicht, habe fließend Wasser und ein warmes Bett. Das haben viele arme Menschen auf dieser Welt nicht.
    Ach. Mensch Karen! Ich komme hier von Höckschen auf Stöckschen und hoffe nur, dass ich hier niemanden auf den Schlips getreten bin.
    Halt die Ohren steif! Dein Blog ist toll und interessant. Und hilft vielen Menschen.
    Eine gute Nacht!
    Ulrike

  4. Liebe Ulrike,

    da gebe ich Dir recht, was die ‚Guten‘ und die ‚Bösen‘ betrifft – es gibt sie IMMER und ÜBERALL! Und ich fühle mich überhaupt nicht auf den Schlips getreten.

    Ich habe mich undeutlich ausgedrückt. Mit dem letzten Satz ‚Doch sie alle lindern die Armut nur – ÄNDERN tun sich nichts daran.‘ meinte ich mit „alle“ die Tafeleinrichtungen als Institution. Ich meinte NICHT die ehrenamtlichen HelferInnen, die SpenderInnen und SponsorInnen damit!!!!

    Worauf ich hinaus wollte, war, dass das Dasein und die Angebote der Tafel die Armut im Lande lindern, aber nicht bekämpfen. Und das ist auch GAR NICHT die Aufgabe der Tafelorganisation, sondern die der Regierung, welche leider nicht in die Puschen kommt. Das wollte ich allerdings noch mal gesondert als Artikel niederschreiben.

    Ich habe hier lediglich einen groben Umriss meiner Person und meiner Motivation, warum ich diesen Blog überhaupt schreibe, in diesem ‚about‘-Bereich abgegeben. Hm, ‚grober Umriss‘ wäre auch eine gute Headline. 🙂

    Und zu ’schwarz-weiß‘ fällt mir noch ein: ich bin übrigens Synästhetikerin – Gefühlssynästhetikerin um genau zu sein. 🙂 Darüber könnte ich irgendwann auch noch mal schreiben.

    Ich bedaure Dich durch meine ungeschickte Wortwahl in die falsche Richtung gelenkt zu haben und werde das da oben gleich mal korrigieren.

    Mit lieben Marzipangrüßen aus Lübeck

    Karen

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